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Zukunftsroute Bürgewald: Ein Spaziergang durch den Ort der Zukunft

Was ist in Bürgewald geplant? Was verbirgt sich hinter Begriffen wie e.Mo-Zentrale, Dorfbauhütte oder Biokläranlage? Und wie kann in einem Ort der Zukunft gewohnt, gearbeitet und gelebt werden?

Diese Fragen standen im Mittelpunkt der Zukunftsroute Bürgewald, die im Rahmen der „tu! Hambach“ vom 10. bis 14. Juni 2026 stattfand. Entlang verschiedener Stationen konnten Besucherinnen und Besucher zentrale Orte, Projekte und Zukunftsthemen des Dorfes kennenlernen. Dabei ging es nicht nur um die geplante Entwicklung Bürgewalds, sondern auch um die Geschichte des Ortes, seine Identität und die Frage, wie sich Bestehendes mit der Zukunft verbinden lässt.

Während die Stationen vom 11. bis zum 13.06 eigenständig besichtigt werden konnten, fand am Samstag, den 13. Juni 2026, ein geführter Spaziergang durch Bürgewald statt. Gemeinsam mit verschiedenen Expertinnen und Experten konnten die Teilnehmenden an den verschiedenen Stationen ins Gespräch kommen.

Mit dabei waren unter anderem Bernd Servos, der als Künstler und ehemaliger Bewohner Bürgewalds (ehem. Morschenich-Alt) interessante Einblicke in die Vergangenheit des Dorfes ermöglichte. Außerdem Christian Wirtz vom Forschungszentrum Jülich, Studio MRA mit Manuel Rausch und Sarah Köhle, die eine interaktive Station am St. Lambertus Forum vorbereitet hatten, sowie Stefan Rönz von NRW.URBAN, Dominik Ortseifen von der Gemeinde Merzenich und Sophie Grass von NEULAND HAMBACH.

Der Spaziergang folgte dabei 6 Stationen:

Station 1: St. Lambertus Forum

Die erste Station führte zum St. Lambertus Forum. Studio MRA stellte bei einem Rundgang über das Gelände zentrale Aspekte der Transformation vor und machte deutlich, welche Rolle das ehemalige Kirchenensemble für die zukünftige Entwicklung Bürgewalds spielen kann.

Die Kirche St. Lambertus wurde 2019 entweiht und ist für viele Menschen eng mit der Geschichte und Identität des Ortes verbunden. Nach dem schweren Brand im Jahr 2023, durch den das Gebäude stark beschädigt wurde, markiert ihr Wiederaufbau einen wichtigen Moment für die Wiederbelebung des Dorfes.

Künftig soll das St. Lambertus Forum ein zentraler Ort des Zusammenkommens, der Erinnerung und der Zukunftsgestaltung werden. Die Station zeigte, wie sensibel mit einem identitätsstiftenden Ort umgegangen werden kann, und wie aus einem ehemaligen Kirchenensemble ein neuer öffentlicher Ankerpunkt für Bürgewald entstehen kann.

Station 2: Die Dorfbauhütte

Im Mittelpunkt stand dabei die sogenannte Zwischennutzung: Wie können Orte, die sich im Wandel befinden, schon heute für Kultur, Kunst, Veranstaltungen, Gemeinschaft oder auch Landwirtschaft genutzt werden? Viele konkrete Vorschläge wurden direkt vor Ort gesammelt. Wer nicht teilnehmen konnte oder seine Ideen vertiefen möchte, hat noch die Möglichkeit, diese bis Mitte Mai online einzureichen – ein bewusst niedrigschwelliger Ansatz, um möglichst viele Stimmen einzubeziehen.

Station 3: Das BioökonomieREVIER

Die dritte Station widmete sich dem BioökonomieREVIER. Christian Wirtz vom Forschungszentrum Jülich erläuterte, welche Perspektiven sich auf dem Gelände des ehemaligen Nesenhofs eröffnen und wie dort ein Profilort für Bioökonomie entstehen kann.

Mit dem Profilortkonzept wird Bürgewald gezielt als Standort für biobasiertes Wirtschaften weitergedacht. Im Mittelpunkt steht die Frage, wie vorhandene Gebäude und Flächen zukunftsfähig genutzt werden können: Welche Orte eignen sich für neue Arbeits- und Produktionsformen? Was brauchen Start-ups, um sich im Dorf anzusiedeln? Und welche Bestandsgebäude lassen sich so weiterentwickeln, dass sie neue wirtschaftliche Perspektiven eröffnen?

Besonders spannend ist dabei die Verbindung zwischen Vergangenheit und Zukunft. Bürgewald war historisch stark von Landwirtschaft geprägt. Auch künftig soll die Auseinandersetzung mit neuen Formen von Landwirtschaft, biobasierten Materialien und nachhaltiger Produktion eine wichtige Rolle spielen – allerdings unter veränderten Vorzeichen und mit Blick auf neue Wertschöpfung im Rheinischen Revier.

Station 4: Die e.Mo-Zentrale

An der vierten Station erläuterte Stefan Rönz von NRW.URBAN das Prinzip der e.Mo-Zentrale in Bürgewald.

Die e.Mo-Zentrale steht beispielhaft für ein neues Mobilitätsverständnis im Dorf. Alltägliche Wege sollen künftig einfach, flexibel und umweltfreundlich möglich sein, durch eine bessere Anbindung an den ÖPNV, an S-Bahn-Stationen und nach Merzenich, durch attraktive Radwege in die Nachbarorte sowie durch ein umfassendes Car-Sharing-Angebot.

Gleichzeitig soll der Straßenraum im Dorf neu gedacht werden: weniger als reine Verkehrsfläche, stärker als Aufenthalts- und Bewegungsraum. Der motorisierte Verkehr soll im Ort reduziert, Stellplätze an den Ortseingängen und auf ausgewählten Baufeldern gebündelt und gemeinschaftlich genutzt werden.

Ergänzt wird dieses Konzept durch multifunktionale Mobilitätsstationen und zwei bis drei energieaktive Mobilitätszentralen (e.Mo-Zentralen). So bleibt Bürgewald gut erreichbar, flexibel nutzbar und zugleich zukunftsoffen.

Station 5: Die Biokläranlage und der Wasserkreislauf

Die fünfte Station beschäftigte sich mit dem zukünftigen Wasserkreislauf Bürgewalds. Auch hier erläuterte Stefan Rönz von NRW.URBAN, wie Wasser als zentrales Zukunftsthema im Dorf verankert werden soll.

Geplant ist ein möglichst geschlossener und naturnaher Wasserkreislauf, von der Speicherung über die Nutzung bis zur Versickerung. Damit leistet Bürgewald einen Beitrag zu Klimaresilienz, Ressourcenschonung und einem bewussteren Umgang mit Wasser.

Die technische Infrastruktur soll dabei nicht verborgen bleiben, sondern sichtbar und erlebbar werden. Energie- und Wassersysteme werden als Teil des öffentlichen Raums verstanden. Sie sollen so gestaltet werden, dass sie das Dorf klimaangepasst unterstützen und zugleich neue Orte mit Aufenthaltsqualität schaffen.

Die Biokläranlage steht damit nicht nur für technische Innovation, sondern auch für die Idee, Infrastruktur als Teil des Dorflebens und der Landschaft mitzudenken.

Station 6: Der Hambach Loop

Zum Abschluss des Spaziergangs weitete Sophie Grass von NEULAND HAMBACH den Blick auf das Umfeld des Tagebaus Hambach und stellte den Hambach Loop vor.

Der Hambach Loop ist mehr als ein freizeit- oder touristischer Radrundweg. Er soll an das wachsende regionale Radwegenetz angebunden werden und unterschiedliche Mobilitätsbedürfnisse im Alltag berücksichtigen. Damit kann er sowohl für Besucher*innen als auch für Menschen aus der Region eine wichtige Verbindung schaffen.

Mitgedacht wird auch die Anbindung an das gesamtregionale Radverkehrsrevier, etwa an Radschnellwege und geplante Radvorrangrouten, beispielsweise von Düren zum Forschungszentrum Jülich. Der Hambach Loop verbindet damit lokale Zukunftsorte wie Bürgewald mit der regionalen Transformation rund um den Tagebau Hambach.

Mit dem Blick in die Region erläuterte Sophie Grass zudem, wie Bürgewald in die Perlenkette von Strukturwandelprojekten eigebunden ist.

Ausblick

Der geführte Spaziergang endete mit einem gemeinsamen Picknick und einem offenen Austausch zwischen Besuchenden, Referentinnen und Referenten.

Die Zukunftsroute konnte dabei einen ersten Einblick geben, wie viele Themen in Bürgewald zusammenkommen: Erinnerungskultur, Kreislaufwirtschaft, neue Mobilität, Bioökonomie, erlebbare Wasserinfrastruktur, Baukultur und regionale Vernetzung. Sie machte abstrakte Begriffe aus dem Masterplan erfahrbar und zeigte zudem, wie aus einzelnen Projekten ein gemeinsames Zukunftsbild für das Dorf entstehen kann.

Die nächste öffentliche Veranstaltung auf die wir an dieser Stelle aufmerksam machen und zu der wir herzlich einladen, ist der 2. Markt der Dorfmacher*innen am 10.10.2026.