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Bürgewald im Wandel – Vom Tagebaudorf zum Ort der Zukunft

Im Herzen des Rheinischen Reviers, einer Region im tiefgreifenden Wandel, liegt
Bürgewald. Umgeben von gewachsenen Landschaftsräumen, neuen Naturflächen und
großen Transformationsarealen entsteht hier ein Dorf mit besonderer Verantwortung
und großem Entwicklungspotenzial. Gut erreichbar aus Köln, Düren und Aachen,
verbindet Bürgewald ländliche Ruhe mit regionaler Vernetzung – und steht zugleich
beispielhaft für den Strukturwandel im Rheinischen Revier.

Drohnenaufnahme über Bürgewald

Auf einen Neuanfang

Bürgewald, das ehemalige Morschenich-Alt, war lange vom Braunkohletagebau bedroht. Ab 2015 begann deshalb die Umsiedlung der Bewohnerinnen und Bewohner nach Morschenich-Neu. Mit den Protesten rund um den Hambacher Forst und dem beschlossenen Braunkohleausstieg bis 2030 änderte sich die Perspektive jedoch grundlegend. In den Jahren 2021 und 2023 wurde schließlich entschieden, den Ort als „Ort der Zukunft“ weiterzuentwickeln. Ein wichtiger Wendepunkt stellte 2024 der Erwerb der zuvor RWE gehörenden Flächen dar, mit denen die Gemeinde Merzenich erstmals die Möglichkeit erhielt, die Entwicklung des Ortes zu steuern.

Heute steht Bürgewald für einen bewussten Neuanfang. Das Dorf, vor dem Abriss, aber auch vor dem Vergessen bewahrt, soll schrittweise zu einem lebendigen und zukunftsweisenden Ort weiterentwickelt werden – mit Raum für Forschung und Innovation, für Wohnen, gemeinschaftliches Leben, kulturelle Nutzungen und verträgliches Gewerbe. Im Mittelpunkt stehen dabei bestandsorientierter Umbau, neue Ansätze in der Energieversorgung, eine klimagerechte Entwicklung und der Aufbau einer verantwortungsvollen Bewohner*innengemeinschaft. Mit dem Beschluss des dynamischen Masterplans zu Beginn des Jahres 2026 wurde hierfür eine wichtige Grundlage geschaffen, der die Menschen vor Ort und den Prozess miteinbezieht.

Das neue Ortsschild Bürgewalds

Ausblick

Der Blick richtet sich jedoch nicht nur auf die langfristige Entwicklung, sondern auch auf die nahe Zukunft. Um den Ort schon heute zu beleben und sein Potenzial sichtbar und erlebbar zu machen, sollen temporäre und künstlerische Zwischennutzungen entwickelt werden. So hat zum Beispiel das Forschungszentrum Jülich im ehemaligen Reiterhof Neesenhof eine Zweigstelle für Forschung in den Bereichen Bioökonomie und Kreislaufwirtschaft eingerichtet. Auch das Austausch- und Begegnungsformat tu! Hambach der Tagebauumfeldinitiative Neuland Hambach wird weiterhin in Bürgewald stattfinden.

Bürgewald kann in vielerlei Hinsicht als Modell für andere vom Strukturwandel geprägte Dörfer dienen. Besonders ist die integrale und prozessorientierte Entwicklung, die neue und teils ungewöhnliche Wege der Konzeptentwicklung und Grundstücksvergabe erprobt. Hinzu kommt der hohe Anspruch, den Ort zukunftsweisend, klimagerecht und gemeinwohlorientiert weiterzuentwickeln. Aus einem fast verlorenen Dorf entsteht ein Ort mit neuer Perspektive – für Forschung, Begegnung und Lebensqualität.